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Zur Geschichte der „Alten Post“ in Kimratshofen

 

Die „Alte Post“ in ihrem heutigen Erscheinungsbild wurde im Jahr 1730 von einem Postmeister Ignatius Neumayer errichtet. Das sehr imposante dorfbildprägende Gebäude kann auf Vorgängerbauten zurückblicken, die sicherlich kleinere Dimensionen aufgewiesen hatten. Eine erste Erwähnung eines Gebäudes an dieser Stelle als „Meierhof“ geht auf das Jahr 1433 zurück. Pfarrer Ludwig Dorn schreibt in seinen „Beiträgen zur Geschichte von Kimratshofen“ von einem im Jahre 1631 dokumentierten Besitzübergang des Anwesens eines Postmeisters Michael Flach mit 13 ½ Weiden an den Wirt Martin Thanner , wo er Anfänge der heutigen Postwirtschaft sieht. Im Jahr 1741 ist in den Aufzeichnungen des Fürststifts Kempten der oben genannte Franz Neumayer als Posthalter mit einem eigenen und einem lehenbaren Gut erwähnt.

Kimratshofen war Poststation im Verkehrsnetz der Vorderösterreichischen Postlinie des Fürstenhauses Turn und Taxis. Die Habsburger unterhielten nämlich in ihren Erblanden, wozu seinerzeit auch Schwaben und das Allgäu gehörte, eigene Postanstalten. Von Innsbruck ging ein Reitpostkurs über den Fernpass durch das Allgäu nach Freiburg. Kimratshofen lag an dieser Strecke, hatte zu den Nachbarstationen die für den Pferdewechsel vorgeschriebene Entfernung von 37 Kilometern und wurde so Sitz einer Posthalterei. Der Doppeladler in dem kunstvoll geschmiedeten Wirtshausschild erinnert an diese Zeit.

Dieser Doppeladler des Römischen Reiches Deutscher Nation, der später auch durch Kaiser Franz den I. in das österreichisches Reichswappen übernommen wurde, fand sich häufig in den Wappen reichsunmittelbarer Fürstentümer, Städte und auch anderer Anwesen, die mit dem Doppeladler zeigten, dass sie nicht lokalen Gebietshoheiten wie Klöstern, Stiften oder Adelsbesitzungen zugehörig bzw. lehenbar waren.

Mit den napoleonischen Kriegen und daraus folgenden Veränderungen der Macht- und Herrschaftsverhältnisse ging die Post ab dem Jahre 1806 in die Hoheit des bayerischen Staates über. Kimratshofen wurde nun Station der königlich bayerischen Postlinie Kempten – Leutkirch. An den Posthäusern und –wagen wurden die Reichsinsignien durch das bayerische Wappen ersetzt und das Personal tauschte die schwarz-gelben Uniformen gegen bayerischblaue Röcke. Erfreulicherweise kam man nicht auf den Gedanken, die große schöne Wappentafel, die den Hausgiebel noch heute ziert, zu entfernen oder an die neuen Herrschaftsverhältnisse anzupassen.

Die Posthalter waren meist Wirte. Sie waren verpflichtet, Pferde zu halten. Innerhalb der Familie vererbte sich die Posthalterei vielfach durch mehrere Generationen hindurch. So hatte in Kimratshofen die Gastwirtsfamilie Seitz dieses Amt von 1745 bis 1852 inne. 33 Jahre später, also 1885 verlor Kimratshofen seine Poststation. Der Poststall wurde allerdings erst am 30. Mai 1914 aufgelöst, nachdem am Vortage die Motorpostlinie Kempten - Kimratshofen eröffnet und damit die Pferde gezogenen Postkutsche der Vergangenheit angehörte.

Durch die Übernahme des denkmalgeschützten Hauses in das Eigentum der Brauerei-Familie Widenmayer aus Rettenberg und die mit Unterstützung der Gemeinde Altusried angegangene grundlegende Renovierung in den Jahren 1987 bis 1989 ist der „Alten Post“ zu neuem Glanz mit zeitgemäßer Funktionalität verholfen worden. Das imposante Haus beeindruckt durch sein äußeres Erscheinungsbild ebenso wie durch die von innen erkennbaren trutzigen alten Mauern und insbesondere durch wertvolle Stuckdecken in verschiedenen Räumen. Für die Renovierung dieser vielfach übermalten und zum Teil schadhaften Stukkaturen, die Stilmerkmale der Legence, eines Übergangsstiles zwischen Barock und Rokoko aufweisen, wie er in den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts auch im Stift Kempten Einzug hielt, wurden um die 15o.ooo DM ausgegeben.

Ein Glücksfall für das Dorf Kimratshofen und die Gemeinde Altusried, dass im Zusammenwirken von privater Investition und gemeindlicher Unterstützung dieses in mehrfacher Hinsicht herausragende Kulturgut erneuert und für die Zukunft bewahrt werden konnte.

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