Februar 2002
- Aktion Gegenwind Allgäu -
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir wissen, dass Sie als Persönlichkeit des öffentlichen Lebens mit sehr großem Einsatz am Gemeinwohl interessiert sind. Daher möchten wir mit einem für uns sehr wichtigen Anliegen an Sie herantreten und hoffen auf Ihr Verständnis.
Bedenken gegen die Erstellung von Windkraftanlagen in der Region "Gesamtallgäu"
Mit großer Sorge müssen wir erleben, wie besonders das nördliche Allgäu (nördlich der B 12 zwischen der Ländergrenze Baden-Württemberg im Westen, dem Lech im Osten, bis zu den Ausläufern der Endmoränen im Norden) durch immer größer werdende Windkraftanlagen in Bedrängnis gerät.
1. Landschaftsgut
Wie Sie wissen, ist diese uralte Kulturlandschaft geprägt von einsamen, dünn besiedelten großflächigen Höhenzügen (bis 1000 Meter) und weitschwingenden, zum Teil noch sehr ursprünglichen Fluß- und Bachtälern, die von steil abfallenden Hangwäldern begleitet werden. Innerhalb dieser wertvollen unbelasteten Landschaftskulisse befinden sich zahlreiche FFH-Flächen, Naturschutzgebiete und sogar seltene Naturdenkmäler, in denen eine ganz besondere Flora und Fauna überlebt hat.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass diese Landschaften von internationalen naturwissenschaftlichen Fachgremien (z.B. Deutsche Botanische Gesellschaft) zu Forschungszwecken regelmäßig aufgesucht wird. Der Biotopverbund westliche und östliche Günz und sehr seltene dort lebende Tierarten und Pflanzen beweisen, dass große Teile dieser Landschaft als besonders schützenswert eingestuft werden.
Besucht man die einsamen Höhen, bietet sich einem ein überwältigender Blick in die wunderbare Bergwelt, vom Karwendel bis hin zu den Schweizer Alpen. Zwischen abwechslungsreichen Wäldern und Weiden liegen verstreut versteckte Einzelgehöfte und idyllische Dörfer.
Immer mehr Menschen suchen diese stressfreie Gegend auf und finden dort Ruhe.
Dies beweist, wie unsere fein strukturierte Region, immer mehr als Landschaftsressource und Kulturgut unbedingt gebraucht wird.
Wie das Projekt ARTOUR (Bayerischer Heimatpreis) setzen sich auch Gemeinden, Städte, und unsere Landwirtschaft immer mehr für den sanften Tourismus ein. Gerade in der Landwirtschaft wird das einigen Betrieben langfristig als "zweites Standbein" dienen. Die dort beheimateten Bürger zeichnen sich durch Zusammenhalt und Durchhaltevermögen aus.
Selbst in den kürzlich erschienen Wahlbroschüren unserer Region stehen Leitsätze wie:
"Die Natur ist unser Kapital"
Wie nicht nur im letzten Alpenbericht nachzulesen ist, steigt der Landschaftsverbrauch in beängstigendem Maße. Umso verwunderlicher erscheint einem der doch relativ sorglose industrielle Eingriff in genau diese wertvolle Landschaft.
3. Planung - Recht – Sicherheit – Belastung
Das Thema Windkraft sorgt bereits jetzt schon für erhebliche Missstimmung innerhalb der Dorfgemeinschaften.
Jahrzehnte anhaltende Verbundenheit schlägt um in Gegnerschaft, die nicht selten in einem Rechtsstreit endet. Die überwiegend positive Einstellung der Bevölkerung für diese Art der Energiegewinnung, ist auf eine Bagatellisierung der negativen Auswirkungen der Windkraft auf Landschaft und Lebensräume zurückzuführen. Die meisten Informationen (Werbung), Gutachten und Prognosen kommen von Herstellern und Betreiber selbst. Zudem wird mit einem Zeitdruck verhandelt, der ein objektives und überlegtes Handeln oft gar nicht mehr zulässt, obwohl es bei Windkraftanlagen um sehr hohe Kapitaleinsätze und Risikobereitschaft geht.
Wir vertreten die Ansicht, dass manch Unbedarfter "über den Tisch gezogen wird". Ein Zurücktreten aus diesen Verträgen ist nur mit erheblichen finanziellen Einbußen möglich. Das macht eine vernünftige Auseinandersetzung fast unmöglich. Unser ständiger, vermittelnder Einsatz bestätigt dies.
Abstandsflächen zu Wohnbebauungen, schützenswürdigen Landschaften, öffentlichen Straßen, und Kulturstätten werden oft zu gering gewählt, unsere feingliedrige Struktur könnte kein WKA zulassen. Teilweise werden hier sogar Herstellerangaben unterschritten.
Durch die rotierende Bewegung und die erhebliche Raumbedeutsamkeit dieser industriellen Großanlagen wird unsere Landschaft kilometerweit verunstaltet. Selbst hohe Gerichte, die immer öfter mit diesem Thema konfrontiert werden, bestätigen dies.
Hier werden unzählige Fragen aufgeworfen, die zu einer zunehmenden Rechtsunsicherheit der Entscheidungsträger, der Gemeindegremien, der Betreiber und der Betroffenen führen. Mehrere Gemeindevertreter verschiedener Gemeinden bestätigten uns ihre Überforderung in Sachen Windkraft. Wir wurden schon sehr oft gebeten, unsere umfassenden objektiven Informationen an Entscheidungsträger, auch auf höherer Ebene, weiterzuleiten.
Die umfangreiche Ausweisung von Konzentrationsflächen für Windkraftanlagen in jeder Gemeinde ist nicht geeignet, einer "Verspargelung" der Landschaft entgegenzuwirken. Es gäbe für viele Gemeinden im Allgäu genügend Gründe, Windturbinen in ihrem Gebiet auszuschließen. Wir haben zudem das Gefühl, dass hier die Einspruchsmöglichkeiten nicht ausreichend bekannt sind.
Es fehlen unabhängige, glaubwürdige Gutachten über Unfallgefahren, Schall, Infraschall Schattenschlag usw.. Windgutachten werden manchmal einfach auf andere Standorte übertragen.
Endmoränen und Seitenmoränen bestehen größtenteils aus einem losem Geschiebe, welches immer wieder Erdrutsche oder Erdabsenkungen hervorruft. Diese Verschiebungen konnten wir in unserer Region sichtbar feststellen. Trotz des enormen Winddrucks auf Windkraftanlagen, werden geologische Gutachten nur sehr selten eingefordert.
Solche Nachlässigkeiten gefährden erheblich das mühsam ersparte Kapital eines Anlegers.
Bei einer Anlagenhöhe von über 100 Metern werden zur Flugsicherung stroboskopartige Blinkleuchten vorgeschrieben. Diese Lichtreflexe sind auf sehr große Distanzen deutlich sichtbar und gefährden zusätzlich die Lebensräume unserer Tierwelt. Viele Menschen empfinden diese Befeuerung der Anlagen als sehr störend. Diese zwangsläufige Begleiterscheinung wird meist nicht einmal erwähnt. Die bisher errichteten Anlagen sind etwa 80 - 100 m hoch, die neuerdings geplanten Anlagen bei uns im Allgäu sollen bis zu 185 m hoch werden.
4. Wirtschaftlichkeit und volkswirtschaftlicher Nutzen
Windkraft wird im Allgäu auch langfristig keine nennenswerte Rolle spielen. 10.033 WKA in Deutschland tragen theoretisch mit ca. 2,5% an der Stromerzeugung bei (Stand Juni 2001). Die CO² Minderung ist praktisch nicht nachweisbar. Die Problematik der ständigen Verfügbarkeit und der technischen Probleme bei der Einspeisung dieser Energie ist Ihnen mit Sicherheit bekannt.
Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie stellt fest, "dass Windkraftanlagen an Küstenstandorten mit rd. 2000 Volllaststunden in etwa den doppelten Energieertrag liefern wie gleichartige Anlagen an windgünstigen Binnenlandstandorten.
Wir sehen auch langfristig kein schlüssiges Konzept für diese regenerative Energiegewinnung im Allgäu. Unsere ausführlichen Recherchen sprechen dagegen. Ein zweites Standbein unserer gesamten Landwirtschaft ist nicht zu erkennen. Einzelne Landwirte werden sich als Betreiber dieser Anlagen zusätzlich mit Problemen belasten. Die Kosten für Instandhaltung und Wartung werden oftmals unterschätzt, zudem kann eine Haftung bei Unfällen nicht ausgeschlossen werden. Eine übliche und bewährte Art der Eigenleistung scheidet gänzlich aus.
Gerade das Allgäu hat bereits ein beachtliches Potential an regenerativ erzeugter Energie vorzuweisen. Wir vertreten die Auffassung, dass weitere Potentiale zur regenerativen Energiegewinnung in der Land- und Forstwirtschaft auszubauen sind, die unserem Allgäuer Gemeinwohl bedeutend besser zugeordnet werden können als die Windenergie.
Beispielhafte Projekte sind bereits gebaut oder geplant, wie z.B. die Futtertrocknungsanlage in Altusried oder das geplante Hackschnitzel- Blockheizkraftwerk in Sonthofen. In der Gemeinde Erkheim, liefert eine innovative Biogasanlage, bereits jetzt schon eine beachtliche und konstante Menge an regenerativer Energie. Biogasanlagen würden auch ein Entsorgungsproblem von Biomüll erheblich mindern.
So könnten auch vermehrt regionale Arbeitsplätze entstehen.
Leider liegen hier die Fördermittel unter der für Windenergie.
Wir beschäftigen uns seit geraumer Zeit mit dieser Form der erneuerbaren Energie innerhalb unserer Region und wollen unsere schützenswerte Heimat und unsere Dorfgemeinschaften erhalten.
Wir wünschen uns einen sehr kritischen Umgang beim Genehmigungsverfahren solcher Windkraftprojekte.
Über 600 Bürgerinitiativen in Deutschland sind sicher nicht grundlos gegen Windkraftprojekte.
Bitte leiten Sie dieses Schreiben an Ihre Mitarbeiter oder Entscheidungsträger weiter, außerdem stehen wir Ihnen für detailliertere Informationen gerne zur Verfügung.
Wir wenden uns mit unserem Anliegen an das Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten, das Umweltministerium, Landratsämter, Naturschutzbehörden, Planungsverbände, Politiker, Bürgermeister, Gemeinderäte, Bürger, Vertreter der Landwirtschaft, Vertreter für Tier- und Landschaftsschutz, Industrie- und Handelskammer, usw..
Mit freundlichen Grüßen - Aktion Gegenwind Allgäu –
Vertreten durch:
unterstützt : von verschiedenen Vertretern aus Kultur, Gastronomie, Landschaftspflege,
Bürgern, und der Landwirtschaft.